Impressum Kontakt Links

Pedro Casaldáliga

Wer ist Pedro Casaldáliga? Eine Antwort gibt die DVD "PEDRO".
Darauf wird dieser ungewöhnliche Bischof vorgestellt. Und es wird die Frage aufkommen und bleiben: warum gibt es nicht viele solcher HIRTEN? Sie hätten gewiss eine große Macht, den Dingen in der Weltgeschichte eine andere Richtung zu geben.

Ein kurzer Auszug aus der DVD "PEDRO":



DVD FERTIG!!!!

- PEDRO ( DVD 10,-€ +Mwst privat)
Ein anderer Bischof für eine andere Kirche

Inhalt dieser DVD:
1. Deine MITRA 17 Min.
2. Der BISCHOF 11 Min.
3. AD-LIMINA Besuch 18 Min.
4. PRIESTERweihe 14 Min.
5. INTERVIEW 22 Min.

Bestellung

Bekannt wurde sein offener Brief an den Papst und sein Bericht über seinen ersten Ad-limina-Besuch

Biographie

Pedro Casaldáliga (*16.2.1928 in Balsareny in Katalonien, Spanien) war Bischof der Prälatur São Félix do Araguaia (Brasilien) von 1971 bis 2005. Er ist ebenfalls ein Dichter und Autor zahlreicher Veröffentlichungen, Verteidiger der Menschenrechte.

Mitglied des Ordens der Claretiner. 31. Mai 1952 Priesterweihe in Barcelona. 1952–1958 Religionslehrer in Sabadell, 1961–1963 Studienpräfekt in Barbastro, 1963–1967 Leiter der Zeitschrift „Iris de Paz“ in Madrid. 1968 Ausreise nach Brasilien, 1971 bis zu seiner Emeritierung 2005 erster Bischof der neuen Territorialprälatur São Félix.

Casaldáligas wichtigste Leistung ist der Aufbau und die Leitung seiner Prälatur. Angesichts großer sozialer Ungerechtigkeit, Armut, Hunger und Gewalt verteidigte er immer die Menschenrechte, besonders die der Armen. Darüber hinaus ist er ein wichtiger Vertreter der Theologie der Befreiung in Lateinamerika. Er unterstützte die kirchlichen Basisbewegungen in Nicaragua und ganz Mittelamerika in der Zeit der nicaraguanischen Revolution und der darauf folgenden schweren innerkirchlichen Auseinandersetzungen. Diese Parteinahme und sein Einsatz für soziale Gerechtigkeit trugen ihm Konflikte mit einigen Behörden im Vatikan ein. Casaldáliga wurde von den örtlichen Machthabern, Großgrundbesitzern, Politikern und Militärs angefeindet und mehrfach mit dem Tod bedroht. Pedro Casaldáliga ist einer der bekanntesten politischen und religiösen Dichter Lateinamerikas. Seine Gedichte in portugiesischer, spanischer und katalanischer Sprache haben weltweite Verbreitung und zahllose Übersetzungen gefunden.


Morddrohungen gegen Bischof PEDRO



Bischof Pedro Casaldáliga musste im Dezember 2012 Sao Felix do Araguaia verlassen wegen einer erneuten Serie von Morddrohungen. „Er wollte nicht, dass die Menschen den Eindruck hätten, er sei geflohen…“, erzählt uns Mari Pepa Raba, die zusammen mit ihrem Mann José Maria Conceptión (beide Spanier), seit vielen Jahren nahe bei Casaldáliga wohnt. Beide berichten über die Umstände und Ereignisse rund um die Morddrohungen.

(Das Interview führte Jesús Bastante. Aus dem Spanischen übersetzt: Cepat. Aus dem Portugiesischen übersetzt: Conrad Berning)

Wie geht es Pedro Casaldáliga jetzt?

José:
Er ist seit dem 29. Dezember (2012) zurück in São Félix, glücklich, dass er wieder in seinem Haus sein kann, das er am 7. Dezember verlassen musste. Die Situation hat sich wieder beruhigt. Er wollte São Félix nie verlassen, auch nicht, als er in den Ruhestand ging. Das ist ihm sehr wichtig. Er hat sogar seinen Platz auf dem Friedhof schon ausgesucht.

Was war passiert? Warum musste er fliehen?

José:
Pedro hatte zwei Morddrohungen erhalten, die Ausschlag gebende war am 5. 12. Grund waren Indianerfragen: die Rückkehr des Volkes der Xavante in seine ursprünglichen Gebiete. Der Prozess zog sich hin. Der oberste Bundesgerichtshof anerkannte schließlich, dass diese Gebiete dem Volk der Xavante gehörten und bat die Invasoren, die Länder wieder frei zu geben. Die brasilianische Regierung beschloss daraufhin, das Urteil zu vollstrecken und teilte durch einen Vermittler allen Großgrundbesitzern persönlich mit, dass sie die Gebiete zu verlassen hätten. Die Großgrundbesitzer (unter ihnen Politiker, Bürgermeister, Richter…) haben bis zu 9.000 Hektar Land, in Händen einer einzigen Familie.

Das heißt, sie geben das Land an die Xavante zurück?

José:
Ja, die Rückgabe ist noch nicht durchgeführt, jedoch ist der Prozess angelaufen. Die Vertreibung der Xavante war in den 1960er Jahren geschehen, vor der Militärdiktatur. Die Regierungen hatten entschieden, das wirtschaftliche Wachstum durch Kolonisierung und Entwicklung der Amazonasgebiete voranzutreiben. Sie entwarf dafür Steuerbegünstigungs-Programme, um Investitionen für große Unternehmen interessanter zu machen. Verwickelt in den Prozess wurden brasilianische und multinationale Banken, Aufbaufirmen… Wegen der Steuerbegünstigungen und einer ganzen Serie von Vorteilen und Geschenken nahmen alle Unternehmen an und kamen in das Gebiet des Volkes der Xavante. Sie begannen, die Territorien auszubeuten und schufen Latifundien von annähernd einer Million Hektar. Ein Gebiet größer als die Provinz von Madrid.

Die Xavante-Indianer wurden zur Sklavenarbeit gezwungen, und in dem Maße wie sie sich erübrigten und die Wälder gerodet waren, wurden sie vertrieben und ausgewiesen. Das brasilianische Heer selbst stellte ein Flugzeug zur Verfügung und transportierte die ganze Xavante-Bevölkerung in eine Art Reservegebiet der Salesianer-Missionare, welche sich viel für das Volk der Xavante einsetzten. So begann die Rodung und Abholzung des brasilianischen Amazonasgebietes. Auf die Landflächen wurden Rinder getrieben...

Auf dem ersten Klimagipfel von Rio de Janeiro 1992 erklärte sich die italienische Regierung, die durch ein Unternehmen in diese Ausbeutung verwickelt war, bereit, 160.000 Hektar Land an die brasilianische Regierung zurückzuerstatten, damit die Xavante zurückkehren könnten.

Als die brasilianischen Politiker und Großgrundbesitzer davon erfuhren, witterten sie ihre Chance und besetzten übereilig diese Länder. Sie begünstigten sich selbst mit den größten Teilen der Ländereien, doch wussten sie auch, Kleinbauern zu ermutigen, um sie als Entschuldigung vorschicken zu können für den Fall, dass sie wieder vertrieben würden. Es ist dann leichter, die Kleinbauern aufzukaufen. Über diese Strategien und über die Invasion, die 1992 begann, gibt es viele Dokumente.

Da aber diese Gebiete der brasilianischen Regierung zurückerstattet wurden, begann diese nun mit einem ein Prozess, alles rechtskräftig zu machen und die Grenzen festzulegen. Es wurden anthropologische Forschungen durchgeführt, um festzustellen, ob hier die Xavante-Völker gelebt hatten. Auf Friedhöfen machte man Ausgrabungen… Und im Jahre 1998 unterzeichnete der damalige Präsident Fernando Henrique Cardoso ein Dekret, wonach diese 165.000 Hektar den Xavante zur Nutzung zugesprochen wurden.

Doch die Invasoren hatten ihre eigenen Mittel, in Berufung zu gehen, bis dann im vergangenen Oktober der oberste Gerichtshof entschied, sich über alle Bestechungen und Berufungen hinwegzusetzen, um effektiv mit der Rückgabe der Länder zu beginnen. Daraufhin begannen alle zuständigen Behörden (die nationale Stiftung pro Indio- FUNAI und das Nationale Institut für Kolonisierung und Agrarreform- INCRA), an dem Plan zu arbeiten. Für die Großgrundbesitzer gab es für all das nur einen Schuldigen: Pedro Casaldáliga. Er musste als Sündenbock herhalten. Pedro war nur allzu bekannt dafür, dass er sich immer für die Indianerrechte eingesetzt hatte. Sie nannten ihn immer nur den „roten Bischof“.

Stand Casaldáliga wirklich in Lebensgefahr?

Mari:
Nach der ersten Mordandrohung kamen ein Regierungsabgeordneter mit der Bundespolizei zu einem Gespräch mit Pedro. Die Situation war sehr angespannt, und das Militär war in Alarmbereitschaft versetzt. Alle wissen, dass hier Probleme gelöst werden, indem jemand dem Bischof mal einen „kurzen Besuch abstattet“… Das heißt, jemand kommt mit einer Pistole in sein Haus und schießt.
Pedro leibt immer ruhig, er hat keine Angst vor dem Tod. Doch Polizei und Regierung betonten den Ernst der Situation. Man teilte ihm mit, er müsse ein Minimum an Sicherheit haben und wenigstens die Türen verschließen…, denn das Haus von Pedro ist immer offen. Es ist ein sehr einfaches Bischofspalais: ein kleines Haus mit offenen Holzfenstern und Moskitonetzen. Sein Schlafzimmer hat nicht einmal eine Tür, nur einen Vorhang. Und die Polizei sagte ihm, nicht all zu viel Vertrauen zu haben. Doch er antwortete, die Vorsehung sei immer bei ihm und er warte mal ab… Ihm schien das Risiko für uns größer als sein eigenes. Er widersetzte sich, um wegzugehen, weil er auch bei anderen Drohungen nie das Haus verlassen habe. 2004 hat ihn bei seinen allmorgendlichen Spaziergängen immer eine verdächtige Gestalt verfolgt, und Pedro hat ihr keine Wichtigkeit beigemessen. Wir waren auch einigermaßen ruhig geblieben, weil er so viel Ruhe ausstrahlt. Ich glaube, er wollte nicht, dass die ihm anvertrauten Menschen den Eindruck gewinnen sollten, er würde sich aus dem Staub machen. Und außerdem sagte die Polizei, dass die Morddrohungen auch gegen die Mitarbeiter in der ganzen Prälatur gerichtet seien.

Pedro leidet sehr an Altersgebrechen, bedingt durch seine Parkinson-Krankheit. Es ist deshalb für ihn eine Qual, weit reisen zu müssen. Mir persönlich wäre lieber gewesen, Pedro hätte eine Schutz-Wache um sein Haus angenommen als selbst zu verreisen. Aber es ist auch wahr, dass seine Widersacher ihn nicht als alten Mann sehen, sondern als ein Monster, trotz seiner kleinen und schmächtigen Statur. Die Einfachheit in seinem Denken, die Freiheit, mit denen er Witze erzählt, und sein Glaube, der Berge versetzt, sind mächtig und enorm.

War es denn seine Entscheidung, den Ort zu wechseln?

José:
Er versammelte sich mit den Mitbewohnern seines Hauses, mit dem Rechtsanwalt, mit dem jetzigen Bischof und einigen Pastoralhelfern, und nach einem Gebet teilte er uns dann mit, er habe die Nacht darüber nachgedacht und sei bereit, von São Félix vorübergehend wegzugehen. Wir charterten ein Kleinflugzeug mit nur zwei Plätzen, und ich flog mit ihm. Zuerst waren wir dann in Goias, weil Pedro dort teilnehmen wollte an einer Ehrung für ihn durch Bischof Tomás Balduino, der vor Pedro der Bischof von São Félix do Araguaia war und jetzt bewundernswerte 90 Jahre alt ist. Es war ein sehr schönes Wiedersehen auf dem Fluggelände mitten in einer Wüste, und danach konnte Pedro zusammen mit Tomas noch an einer Versammlung in einem Kloster teilnehmen. Die Ehrung war ergreifend, schließlich handelt es sich bei den beiden um zwei große Bischöfe der brasilianischen Geschichte, die beiden Gründer des Indianermissionsrates (CIMI) und der Kommission für die Landpastoral (CPT). Beide Einrichtungen sind der CNBB (Brasilianische Bischofskonferenz) eingegliedert.

Am folgenden Tag nahmen wir an einer Heiligen Messe im Benediktinerkloster teil, wo auch der Ortsbischof von Goias wohnt. Nach der Messe baten die Gläubigen, Pedro solle zu ihnen sprechen. Ich war beeindruckt, wie er -trotz Parkinson- noch fähig ist, das Mikrofon zurecht zu rücken und über die Hoffnung zu sprechen, mit einer bewundernswerten Klarheit. Obwohl ich ihn schon so lange kenne, überrascht er mich immer wieder mit neuen Gedankengängen.

Warum wurde es möglich, dass Pedro nach Hause zurückkehrte?

José:
Wir hatten vor, auf jeden Fall vor Jahresende zurückzukehren, und Brasilia bestätigte dann als Datum den 29. Dezember. Wir müssen anerkennen, dass die brasilianische Regierung eine ganz klare politische Entscheidung zugunsten der Indianer und eine eindeutige Rechtslage geschaffen hatte, sehr vielen Politikern zum Trotz! Pedro steht weiterhin kritisch gegenüber der Regierungschefin Dilma Rousseff aus anderen Gründen, denn all zu viele ungelöste Probleme stehen noch an, auch in den Indianergebieten (neben den Xavante zum Beispiel die Guaraní im Bundesstaat Mato Grosso do Sul…). Pedro ist immer sehr kritisch bei allen Megaprojekten und den großen Agrarindustrien. Die Präsidentin Dilma ist die Befürworterin vom Programm für schnelleres Wachstum (PAC - Programa de Aceleração do Crescimento). Sie ist eine Entwicklungs-Ökonomin. Andererseits ist das erste Ziel, das sie sich vornahm, die Ausrottung des Elends, und mit Sicherheit arbeitet sie für dieses Ziel, aber durch Erzwingen des Wachstums um jeden Preis. Und das ist Pedro zuwider, denn zu schnelles Wachstum ist gleichbedeutend mit Überfall, Eindringen.
Das Agro-Business macht Brasilien zu einem der größten Rohstofflieferanten der Welt, das ist wahr; aber die Monokulturen zum Beispiel von Soja nehmen den Kleinbauern alle Lebensräume, die Familien der Kleinbauern unserer Region bringt man damit um. So weit das Auge reicht, gibt es doch nur noch Soja.

Doch wie gesagt, im Falle der Indianer unserer Region, wo Pedro lebt, widersetzte sich die brasilianische Bundesregierung dem Gouverneur des Bundeslandes Mato Grosso, der Mehrheit der Politiker und Abgeordneten, die alle gegen die Freigabe der Ländereien stimmten. Sie blieb sich treu.

Fühlte Pedro sich verlassen vonseiten des Vatikan oder der spanischen Bischofskonferenz? Hatte er erwartet, dass man sich hinter ihn stellte, der Todesdrohungen erhält und aus seinem Haus fliehen muss?

José:
Nein, nichts dergleichen ließ Pedro sich anmerken. Die Brasilianische Bischofskonferenz (CNBB) stand hinter Pedro und bekundete ihre Solidarität auch in einem öffentlichen Schreiben. Und der derzeitige Generalsekretär besuchte verschiedene Male São Félix do Araguaia und machte sich für die Indianer stark.

Ich weiß nicht, wie Pedro über das Schweigen der spanischen Bischofskonferenz denkt. Er macht nie Kommentare über andere, was sie zu tun oder zu lassen haben usw. Solche Äußerungen hört man bei ihm nicht. Er hält sich selbst auch nicht für wichtig. Immer betont er, dass nicht er wichtig sei, sondern das Leben und die Lebenskämpfe der Menschen. Darum gehe es.