Bischof kritisiert
Bischof kritisiert "unangemessene" Rückschritte des Vatikans
Claudio Leal, Rio de Janeiro
Bischof Dom Clemente Isnard empfing die Reporter von Terra Magazine im Benediktinerkloster von Rio de Janeiro, um seine Ideen klarzustellen und die Umwandlungen der Kirche während des Pontifikats Bendeikts XVI zu bewerten. Er war Mitglied bei der Durchführung der Liturgieerneuerung des Zweiten Vatikanischen Konzils, 1964 von Papst Paul VI selbst ernannt. Jetzt kritisiert er die "unangemessenen Rückschritte" des ehemaligen Konzilsberaters. Kardinal Ratzinger Kampf sei gegen Modernisierungsaspekte des ökumenischen Konzils gegangen.
"Wir haben in der Kirche eine große rückwärstgerichtete Gruppe", gesteht er.
Die Theses einer kirchlichen Erneuerungvon Dom Clemente Isnard können in vier Punkten zusammengefasst werden: der Zölibat als freie Wahl, die Frauenordination, die Beteiligung des Volkes bei der Bischofsernennung und die Aufgaben für die emeritierten Bischöfe. Er unterstützt auch eine Idee des verstorbenen Kardinals Aloisio Lorscheider (1924-2007): das Ende des Kardinalskollegiums zur Wahl des Papstes.
Der Zölibat als freie Wahl für das Priestertum, so hebt der Bischof hervor, wurde in den 60er Jahren vorgeschlagen. Der orientalische Patriarch Maximus IV war einer der klügsten Köpfe des II. Vatikanischen Konzils und stimmte dafür. Es konnte sich einschreiben, wer zu diesem Thema sprechen wollte. Da merkte Paul VI, wie viele diese Männer waren und ließ alle einzeln antreten, um sie zu überreden, dass es noch nicht an der Zeit sei.
Was die Frauenordination angeht, so hält Dom Isnard es für "sehr befremdend, dass während der zweitausend jährigen Geschichte die katholische Kirche dieses immer noch nicht zugelassen hat".
In diesem Interview hält Dom Isnard nicht damit zurück, Rückwärtstendenzen in der Brasilianischen Bischofskonferenz aufzuzeigen. Er spricht über ein Thema, dass er auf deren Bitten hin aus seinem Buch herausnahm und weist auf autokratisches Verhalten eines Teils der katholischen Spitze hin.
Die Paulinusverlag bat, etwas auszulassen. Ich ließ den Namen... weg. Der Unmensch ist ein Erzbischof, der jetzt auch bereits emeritiert ist. Bischof Isnard bar um eine Audienz und der Erzbischof antwortete schriftlich: "Deine Bitte um Audienz ekelt mich an. Sprich mit meiner Sekretärin".
Hier das Interview:
Terra Magazine - Warum sind Sie für das Ende des Kardinalskollegiums?
Dom Aloisio Lorscheider, selbst Kardinal, hat gesagt, dass es das Kardinalskollegium nicht mehr geben dürfe. Das heißt, die Gruppe der Personen, welche den Papst wählt. Stattdessen sollte der Papst durch die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen gewählt werden. Für mich, repräsentativ gesehen, ist das besser. Jenes Kardinalskollegium besteht aus Personen, die sich der Papst selbst aussucht. So gesehen, macht er seinen eigenen Nachfolger. Er wählt ja die Wähler seines Nachfolgers aus. Wenn er stirbt, versammeln sich die Kardinäle der ganzen Welt. Heute sind es die der ganzen Welt. Früher waren es fast ausschließlich Italiener. Jetzt nicht mehr. Es sind noch die Italiener in der Mehrzahl, aber auch Brasilien sendet drei oder vier, Argentinien, Chile, Peru, Kolumbien, kurz fast ganz Lateinamerika. Dann ist Nordamerika stark vertreten, Asien... Europa hat die meisten Privilegien, ist am zahlreichsten vertreten (Deutschland, Frankreich, Italien). Aber die Vorsitzenden einer Bischofskonferenz, sie haben diesen Posten nicht ein Leben lang, werden jeweils auf drei, -vier Jahre gewählt, je nach Land verschieden. Es besteht nicht die Gefahr, dass sich eine Gruppe bildet, welche ihre Stimme auf eine festgelegte Linie abgibt. In der Kirche heute gibt es noch eine Mehrheit von Bischöfen, die das Zweite Vatikanische Konzil 1962 erlebten. So wie ich, alle vier Konzilsjahre. Es waren Bischöfe aus der ganzen Welt. Die Kardinäle waren auch dabei, 120 Kardinäle.
TM: Hilft das, die Kirche zu durchlüften und Bürokratie abzubauen?
Das ist ein sehr guter Gedanke von Kardinal Lorscheider, der auch den Papst wählte. Ich weiß nicht, wie viele er wählte. Papst Johannes Paul II hat er gewählt. Mit 80 verliert er das Stimmrecht. Das ist etwas Gutes, das Papst Paul VI einrichtete: der Bischof bittet mit 75 Jahren um Rücktritt von seiner Diözese. Und der Kardinal mit 80. Dem gab er fünf Jahre mehr. Früher im Konklave, um den Papst zu wählen, kamen alte Leute in Rollstühlen, schon ganz abwesend. Sie waren Wähler und hatten zu erscheinen, nicht wahr? Ab 80 kommt niemand mehr hinein zum Wählen. Dom Aloisio Lorscheider spricht darüber, direkt zu Anfang seines Buches.
... Der jetzige Papst ist bereits über 80. Er wird nicht lange bleiben. Auf jeden Fall ist er schon 80. Er wurde gewählt, weil er lange Zeit in der römischen Kurie arbeitete, fast 20 Jahre lang, in jener Glaubenskongregation. Mit Sicherheit hat er viel Einfluss genommen auf Papst Johannes Paul II. Er blieb immer auf jenem Posten. Johannes Paul starb und die Kurien in Rom warteten auf den neuen Papst. Das Pontifikat Johannes Pauls II war eines der längsten der Geschichte. Es ist interessant, dass er jenes Attentat erlitt, schwer verletzt wurde, und dennoch eines der längsten Pontifikate. Am Ende seines Lebens schleppte er sich nur noch dahin. Ich weiß nicht, inwieweit er noch bei Verstand war, ich weiß es nicht. "Aber er sprach noch..., er hielt noch die Predigt..." Das konnte auch von anderen geschrieben sein. Das weiß man nicht so genau.
